| Aus der Geschichte des Vereins |
In sämtlichen bisher zur Verfügung stehenden Chroniken ist zwar über die Schützengilde und das Schützenwesen im allgemeinen geschrieben worden , besonders auch in umliegenden Städten, über die zwar mit genauen Jahreszahlen berichtet wird, aber über die Erstgründung der Wusterhausener Gilde, die weit im Mittelalter gelegen hat , ist bisher leider keine Mitteilung zu finden. Geschuldet ist dies sicherlich u.a. der Tatsache, daß im Jahre 1758 beim letzten großen Stadtbrand auch das Rathaus mit dem Stadtarchiv ein Opfer der Flammen wurde . Ein nichtgenannter Sammler soll noch einen Stempel der Wusterhausener Schützengilde von 1713 besitzen. Ansonsten haben wir keinerlei hinweise aus der älteren Vergangenheit. Der Chronist Altrichter schreibt 1888 zwar allgemein über das Schützenwesen in vorheriger Zeit. Genaue Nachicht gibt es aber erst, als im Januar 1839 eine neue Schützengilde gebildet wurde . Altrichter nennt auch die Schützenkönige Der ersten Jahre: Gleich 1839 war es der Schlossermeister Knöpke, 1840 und 1841 der Tischlermeister Höhner, 1842 Condukteur Göthing, 1843 Kaufmann Jeck. Im Jahre 1888 errang nach Aussage Altrichters der Gastwirt Erb die Würde des König sowie waren erster Ritter Erbpächter Ramin und zweiter Ritter Kaufmann Metscher. Der Kommandeur war seinerzeit stets der jeweilige Bürgermeister. Damals gegenwärtige Offiziere, auch Schützenmeister genannt, waren folgende: 1. der Apotheker Kemer, 2. der Kaufmann Jeck, 3. Der Zimmermeister Meyer, 4. der Hauptmann Uthemann. Als Rendant der Schützenkasse wurde der Hauptmann Behr, als Schützensekretär der Mühlenmeister Moheit und als Fahnenträger der Schmiedemeister Schüler genannt. Das Königsschießen fand noch bis zum Ende der 30er Jahre dieses Jahrhunderts jeweils am dritten Pfingsttage statt. So auch im Jahre 1923, als der Bauer Paul Merten die Königswürde errang. Bereits 1888 wird geschrieben, daß seit Jahren auch noch am Sonntag nach dem 15. August ein Augustschießen abgehalten wurde. Eine Zeitlang marschierte man unter den Klängen der Blasmusik von Maltzan´s Kapelle in die Laake (Waldgebiet zwischen Wusterhausen und Plänitz ) hinaus , wo auf dem dort heute noch als „Tanzsaal " bezeichneten Ort das Schützenfest stattfand . ( der Wusterhausener Heimatmaler Theophiel Drombrowski hat dieses Ereignis in seinem Gedicht „ Das Schützenfest " festgehalten ) . Es war wohl dann doch zu abgelegen. Zu Beginn des Jahrhunderts errichtete die Schützengilde am Bantikower Weg einen Schießstand mit Schießhalle. Bis vor kurzem waren die alten Fenster noch erhalten, die hochgeschoben wurden, um auch bei schlechten Wetter von hier aus schießen zu können. Anfang dieses Jahrhunderts wurde am See auch das Schützenhaus errichtet, das gastronomisch betreut wurde. Der Wirt wohnte im Objekt. Erst 1926 kam die große „Strandhalle" hinzu, ein großer Saal. Die Jahreszahl ist bis heute noch im Putz erhalten. Nach 1945 erhielt die Gaststätte den Namen „ Volksgarten ". Seit der Wende stand das Anwesen leer, nun fand sich ein neuer Besitzer und es wird zur Zeit umgebaut bzw. modernisiert . Auf alten Fotos sehen wir, daß nach dem ersten Weltkrieg nur noch wenige Wusterhausener Schützen den einst traditionellen dunkelgrünen Gehrock mit Zylinder und großem weißen bzw. der Tambourmajor einen roten Federpuschel daran trugen. Zu dieser Zeit bekamen die neuen Schützen eine graugrüne Jägeruniform, joppenhaft mit Jägerhut. Etliche Schützen trugen auch einen schwarzen Gehrock mit Zylinder. Das waren die sogenannten „Anwärter". Während die zwanziger und zu Beginn auch die 30er Jahre eine hohe Zeit des Schützenwesens in Wusterhausen waren, verfiel es, bedingt durch den 2. Weltkrieg, da viele Wusterhausener eingezogen wurden und nicht wiederkamen. 1945 wurden in der damaligen sowjetischen Besatzungszone alle Schützenvereine verboten, da sie „ militärisch " waren. Erst 45 Jahre später , kurz nach der Wende, bildeten sich in diesem Teil Deutschlands wieder neue Schützenvereine. Auch in Wusterhausen konnte sich nach Kyritz und Neustadt/ D. endlich nach anfänglichen Anlaufschwierigkeiten ein neuer Verein bilden. Der 29. Oktober 1993 steht als Wiedergründungsdatum des Schützenvereins Wusterhausen „ Schützengilde Wusterhausen 1839 e.V. " Das war schon ein bewegender Tag für die Schützenfreunde. Das Wusterhausener Blasorchester spielte in der Speiseeinrichtung Volker Rhode auf. Im Auftrag des Gründungskomitees begrüßte Gerhard Fenske zur Gründungsversammlung Gäste aus nah und fern. Aus Glane ( Bad Iburg ) waren acht Schützenfreunde mit dem Stellvertretenden Bürgermeister Schützenbruder Wiehmann gekommen. Aus der Partnerstadt Edewecht nahmen der Präsident des Schützenvereins, Herr Olljen, sowie der Gemeindedirektor Herr Iwan teil. Auch die Schützenvereine aus Kyritz und Neustadt waren mit repräsentativen Delegation unter der Leitung ihrer Vorsitzenden gekommen. Fabelhafte Stimmung, straffe Gründungsdurchführung und Wahl des Vorstandes durch die am Abend eingetretenen 47 Gründungsmitglieder aus Wusterhausen und Umgebung gaben der Verantstalltung ein gutes Omen. Schützenfreund Adolf Heinrich wurde zu Präsidenten, Gehard Fenske zum Stellvertreter gewält , dann die weiteren Mitglieder der Vorstandes Hans-Günter Asmus als Schriftführer, als Jugendwart Dieter Müller, als Schatzmeister fungiert Wolfgang Regel und als Sportwart Peter Hilbig. Nach dem Wahlmarathon und den Glückwünschen und Gastpräsenten kam noch eine Überraschung durch Uhrmachermeister Eckhard Soldner. Er überreichte im Auftrage seines Vaters eine Schützenkette aus dem Jahre 1909 , die dem damaligen Schützenkönig J . S . Peters gehört hatte. Über 50 Jahre lag die Schützenkette gut verwahrt im Wäscheschrank, mit der Maßgabe, sie einem neuen Schützenverein zu übergeben. Nun kam das Traditionsstück wieder zu Ehren. Ein Höhepunkt war Anfang Oktober 1994 das erste Vogelschießen nach weit über 50 Jahren. Der erste Schützenkönig wurde Wilhelm - Friedrich Schramm, ein alteingesessener Wusterhausener. Für den jungen Schützenverein Wusterhausen „Schützengilde 1839 e.V." bedeutete die Fahnenweihe am 29. April 1995 das bisherige größte und beeindruckendste Ereignis, das auch große Ausstrahlung auf die Stadt hatte. Durch zahlreiche Sponsoren war es gelungen, nach dem Entwurf von G. Fenske eine neue Schützenfahne anfertigen zu lassen. 17 Vereine nahmen an der feierlichen Zeremonie teil, darunter repräsentativer Delegationen aus Glane und Edewecht. In seiner Begrüßungsansprache verwies der Präsident Adolf Heinrich darauf, daß sich die Zahl der Mitglieder seit der Neugründung am 29. Oktober 1993 bereits verdoppelt habe. Wir fühlen uns der Losung verbunden, die auf der Vereinfahne steht: „Ehre dem Verein, der Stadt und demLand", und wollen in diesem Sinne eine kameradschaftliche Vereinsarbeit mit hohen sportlichen Leistungen vollbringen. Glückwünsche kamen vom Amtsdirektor Dr. Peter Wollert, Bürgermeisterin Gerda Heinrich sowie den 17 Gastvereinen.Die Fahnenweihe nahm der Vizepräsident des Brandenburgischen Schützenbundes, Hans Radtke, vor. Er weihte zu den Klängen der „ Märkischen Heide ". Ein Umzug aller Vereine durch die Stadt, darunter die Kutschen des 1. Schützen – Königspaares mit Gefolge, führten zum Schützenplatz, wo sich ein Volksfest anschloß. Gerhard Fenske Wusterhausen/Dosse |